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Was man lieber nicht tun sollte

oder die Anleitung wie man ein Gig-Boot versenkt

Wasserläufig gelten Gig-Boote eigentlich als unsinkbar. Die breite Form sorgt dafür, dass sie quasi nicht umkippen können und die hohen Wände schützen vor den schlimmsten Wellen. Aber gelegentlich schafft man es dann doch aus einem Gig-Boot eine Badewanne zu machen. Daher ein kurzer Erfahrungsbericht: Als Ruderer wäre man gerne die meiste Zeit nur mit anderen Ruderbooten auf dem Wasser, man kann sich gut aus dem Weg gehen und es gibt vor allem keine Wellen. Aber genau die braucht man, um ein Gig-Boot zu versenken. Am Main ist das mit den Wellen so eine Sache. Die meiste Zeit achtet die Großschifffahrt auf die kleinen Ruderboote, aber je nach Bauweise können hinter den Booten große Heckwellen entstehen. Stellt man sich frühzeitig darauf ein, ist das kein Problem. Positioniert man sich parallel zur Welle, kann man diese einfach „abreiten“ und es passiert nichts. Aber dafür bräuchten wir nicht diesen Erfahrungsbericht. Verpasst man den richtigen Moment, weil man das Frachtschiff zu spät gesehen hat, die Heckwelle unterschätzt hat oder man sich gedacht hat „Das wird schon irgendwie“, dann hat man die ideale Grundlage geschaffen, um ein Gig-Boot zu versenken. Da man sehr viel Wasser braucht, um das Gig-Boot zum Sinken zu bringen, positioniert man es am besten mit dem Bug im 90 Grad-Winkel zur größten Welle, die man gerade findet. Ist Welle höher als die Bugspitze bekommt man die erste große Ladung Wasser ins Boot. Die erste Welle sorgt zwar fürs erste Fluchen aber eigentlich für wesentlich mehr Unterhaltung. Mit der ersten Welle sollte dann jeder auch schon mindestens mit den Füßen im Wasser stehen, sonst wird es knapp. Da das Boot nun etwas tiefer im Wasser liegt, kann eine zweite Welle noch viel besser ins Boot laufen. Ist das Boot bereits halb voll, wird einem langsam der Ernst der Lage bewusst. Eine dritte meist schon sehr kleine Welle kann dann mühelos über das Boot rollen und füllt es bis zum Rand. Erst wenn der Bootsrand und das Wasser auf einer Linie sind, merkt man, dass es nicht mehr vorwärts sondern abwärts geht. Die ersten Flaschen, Jacken und Sitzkissen schwimmen davon. Gratulation das Gig-Boot ist nun eher eine kalte Badewanne. Aber nun keine Panik bekommen! Einfach die Füße aus den Laschen ziehen, etwas neben das Boot schwimmen und zusehen, wie es wieder an die Oberfläche kommt. Eine Hand sollte nach Möglichkeit am Boot bleiben, abtreibende Dinge kann man auch später noch einsammeln. Aber was nun? Man muss jetzt irgendwie das Boot ans Ufer bringen, sobald man das geschafft hat - keine Sorge das Boot bleibt im Wasser - sollten sich alle einen festen Stand suchen. Die Skulls bleiben in ihren Dollen und werden ins Boot gelegt. Nun kippt man das Boot langsam über die lange Seite, sodass das Wasser ablaufen kann. Ist das Wasser raus und der Bootsrand weitgenug vom Wasser entfernt, klettert einer nach dem anderen wieder ins Boot zurück. Der Letzte gibt dem Boot noch einen Schubs, damit die Nase wieder Richtung Flussmitte zeigt und klettert dann dazu. Nun kann man sehr nass, aber um eine Erfahrung reicher, wieder zurückrudern und gegebenenfalls verlorene Gegenstände einsammeln. Mein persönlicher Tipp: Probiert es lieber nicht aus, sondern merkt euch, wie man eine Welle richtig „abreitet“ und falls es euch doch mal passiert, schwimmt mit einem Lächeln ans Ufer und macht das Boot wieder flott. Text: Toby Bryson

  • 21.06.2019
  • Eddy
  • 1 Kommentare

Kommentare

Ernst Pawlowsky, Gießener RC

Es kann aber auch noch schlimmer kommen. Auf der Frankfurter Langstreckenregatta auf dem Main, immer am 1. Mai, da ist das Wasser noch recht kühl, hatten wir im Gig-3x die Begegnung nur mit einem holländischen Schubschiff ( ohne Leichter o. ä. ), welches schnell stromauf fuhr, während wir in Strommitte ( die Strömung nutzend ) stromab ruderten. Wir waren so etwa 600 m vor dem Ziel. Bei völliger Unterschätzung der Wellen, die so ein am Bug plattes Schubschiff erzeugt, hat uns gleich die erste Welle so überrollt, daß wir bis zur Taille im Wasser saßen. Der Versuch, daß Boot nach dem Aussteigen von der Strommitte zum Ufer zu bewegen, schien ziemlich aussichtslos, jedenfalls bei den Wassertemperaturen. Also ans nächste Ufer geschwommen. Zum Glück hatte man vom Sattelplatz uns am gegenüberliegenden Ufer stehen sehen. Ein motoriisertes Schlauchboot holte erst uns ab, dann sammelten wir das Boot ein, leerten es am Steg aus, stiegen wieder ein und fuhren durchs Ziel. An Hand der Zeit konnten wir abschätzen, daß die ganze Aktion weniger als 10 min gedauert hatte.

  • 09.08.2019

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